Das Wirtshaus „Zum MOOC“

Wie ich so über MOOC und Didaktik und die Themen der ersten Woche nachdenke, kommt mir immer wieder der Begriff „Gastgeberin“ in den Sinn.
„Gastgeberin“ gefällt mir ausgesprochen gut. Ich stelle einen Raum der Gastlichkeit her, in dem sich die TN wohlfühlen können und statt nur zu konsumieren, wie im gewöhnlichen Gasthaus, biete ich ihnen den Raum, um sich wohlzufühlen, die Bereitschaft zur „Einlassung“ zu entwickeln, sich anregen zu lassen, nachzudenken, sich zu äußern, sich auseinanderzusetzen, sich zusammenzurotten, zu lernen.

Und schon entsteht vor meinem inneren Auge „das Wirtshaus zum MOOC“

Das Gasthaus
Er muss die folgenden Eigenschaften haben:
Steht allen offen (wirklich allen?),leicht zugänglich. Schutzraum , innerhalb dessen Mauern auch mal ins Unreine gedacht werden darf. Hier geschieht niemand ein Leid. Bunt, verträgt viel Umtrieb, fördert das Interagieren. – Die Atmosphäre: Laut, lustig manchmal auch hitzig – es darf auch mal gelüftet werden.

Die Gastgeberin / der Gastgeber
– die „Fra Wirddin“ Sie sorgt für den intakten Gastraum. Niedrigschwelligkeit beim Betreten. Alles an seinem Platz und gut ausgestattet. Sie sorgt für eine gut ausgestattete Küche und Grundzutaten in ausreichenden Mengen und von guter Qualität. Und sie engagiert eine Liveband, einmal die Woche und ein paar Spitzenköch/innen,die ihren Erfahrungsschatz mit den Gästen teilen. Sie ist freundlich und streng zugleich und sie sorgt (schon wieder „sorgt“ …mir fällt kein anderes Wort ein, das die Sache genauso gut trifft) dafür, dass die Gäste sich ohne große Umstände kennenlernen können. Sie bewahrt den Überblick und natürlich sorgt sie immer wieder für Ordnung. Und sie ermuntert ihre Gäste, das Beste aus sich herauszuholen, dieses mit den anderen zu teilen und so weiter zu entwickeln.

Die Gäste
Viele, bunt, laut und leise, Greenhorns und Alterfahrene, Weise und Naseweise, hitzköpfig und scheu. Die, die nur mal gucken wollen und die, die das große Festmahl lockt. Jede/r reist auf seine/ihre Weise an. Die einen mit großem, die anderen mit kleinem Gepäck. Manche kommen zu Fuß und andere mit dem Siebenspänner. Sie alle kommen, angelockt von der Wirtin und /oder dem in Aussicht gestellten Gastmahl. Kochen müssen sie aber schon selber. Jede/r bringt mit, was sie/er kann. Die vielen einzelnen Zutaten werden eingesammelt, und von alternierenden Kochteams und -gruppen zu ganz neuen Kreationen verarbeitet.Und wenn eine/r noch nicht so viel Erfahrung mit dem Kochen hat, dann lernt sie/er es beim Tun und von den anderen. Die Wirtin wird nicht jedem einzelnen Gast zeigen können, wie das Messer am besten zu halten sei.

Das große Festmahl
Keine/r weiß am Anfang so genau, was gekocht werden wird. Auch die Wirtin nicht. Sie kann nur für die Infrastruktur, wie eine gut funktionierende Küche, und für ein geordnetes Miteinander sorgen. Die Gäste bestimmen durch die Zutaten, die sie mitbringen, durch ihre Kochkünste, ihre Kreativität, ihrer Bereitschaft zur Einlassung, ihre Offenheit und Flexiblität und ihr Talent zur guten Zusammenarbeit, was für ein Festmahl auf den Tisch kommt. Bon Appetit!

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5 Antworten zu Das Wirtshaus „Zum MOOC“

  1. Karlheinz Pape schreibt:

    Klasse! Eine ganz wunderbare und verständliche Erklärung von cMOOC’s. Besser kann man gar nicht beschreiben, was da alles in einem solchen Lernevent abläuft, bis zum gemeinsamen Kochen der selbst mitgebrachten Zutaten.
    Das erninnert mich aber auch an BarCamps. Dort gilt alles ganz genauso. Offensichtlich sind BarCamps dann MOC’s. Das eine O für Online fällt halt weg.
    Danke für Deinen schönen Beitrag!

    • sibyllewuerz schreibt:

      Vielen Dank für das Lob. Ich muss gestehen, dass ich vôllig barcamp-unerfahren bin. Und nach deinen Worten jetzt natûrlich sehr neugierig bin und das unbedingt mal ausprobieren werde.

  2. Sonja Ringleb schreibt:

    Ein sehr guter Vergleich!
    Ein Gedanke, der mich jedoch nach dem Lesen immer noch nicht losgelassen hat ist:
    Was passiert nach dem Festmahl? Sind alle satt geworden (Lernziele erreicht)? Haben manche vielleicht zu viel gegessen (Stichwort: Überforderung). Viele werden auch neue, vorher ihnen unbekannte Zutaten, Gerichte und Werkzeuge ausprobiert haben, die andere mitgebracht haben, probiert bzw. ausprobiert haben (informelles Lernen).
    Bleiben „Reste“ übrig? Sicher kann man nicht von allen Gerichten probieren – muss man auch nicht. Kann man diese „Reste“ irgendwie verwerten oder wieder aufwärmen?
    Oder bleibt vielleicht sogar das ganze Festmahl erhalten? Z.B. in Form einer Rezept- und Ideensammlung (Kursblog mit Verlinkungen). Kann eine andere Gruppe damit das Festmahl wiederholen? Wahrscheinlich nicht in derselben Form: eine andere Gruppe bringt andere Ideen, Zutaten, Werkzeuge, etc. mit, diskutiert über andere Aspekte, es herrscht eine andere Atmosphäre und Gruppendynamik.
    Was nehmen die Gäste des Festmahls mit? Nehmen sie die neuen Rezepte in ihren Alltag auf? Können sie diese noch verfeinern? Haben sie neue Bekanntschaften gemacht? Bleiben sie später noch in Kontakt?

    • sibyllewuerz schreibt:

      Liebe Sonja,
      ganz herzlichen Dank für Deine vielen ganz wunderbaren weiterführenden Ideen und Fragestellungen. Ich will versuchen, diese in einem weiteren Artikel aufzugreifen und weiterzuspinnen.

  3. Pingback: MOOC-Veranstaltung als Strukturierungsangebote von Raum und Zeit im Virtuellen #mmc13 | Lernspielwiese

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